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TK 4 - Zurückkaufen, was einst Eigentum war?

Zurückkaufen, was einst Eigentum war?

Enteignung und Restitution in und nach der DDR

 

Die politischen Umwälzungen des letzten Jahrhunderts in Deutschland hatten immer auch Auswirkungen auf die Eigentumsordnung, so auch die sowjetische Besatzung und die sozialistische Herrschaft in der DDR.

Mit der Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten verloren die Vertriebenen nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihren (Grund-)Besitz. In der sowjetischen Besatzungszone enteigneten die Besatzungsbehörden alle Grundbesitzer über 100 ha und (angebliche) Nazi-Unterstützer, etwa auch die Hohenzollern. Das Land wurde zum Teil auf „Neubauern“, insb. Vertriebene, verteilt.

Diese kaum lebensfähigen Kleinhöfe und die alten Höfe wurden Stück für Stück bis 1964 unter erheblichem Druck und gegen den Widerstand der alteingesessenen Bauern zu „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ (LPG) kollektiviert, die nur formell demokratisch organisiert waren. Der Rest der landwirtschaftlichen Fläche stand als „Volkseigene Güter“ (VEG) in direktem Staatseigentum.

Im Rest der Wirtschaft wurden durch die Sowjets und in einer zweiten Welle 1972 wurden alle Betriebe in Volkseigentum („Volkseigene Betriebe“, VEB) überführt, die Eigentümer zum Verkauf gedrängt oder enteignet.

Aber auch das Eigenheim war nicht sicher. Im Bereich der Grenzanlagen wurden ganze Dörfer abgerissen und, wer durch Flucht oder auf Ausreiseantrag hin die DDR verließ, verlor auch sein Haus und alles, was er nicht mitnehmen konnte.

Nach der politischen Wende und der Wiedervereinigung musste erneut eine neue Eigentums- und Wirtschaftsordnung gefunden werden. Die unrechtmäßig Enteigneten bzw. ihre Nachfahren sollten Gerechtigkeit erfahren, ohne dass alles, was in 40 Jahren DDR passiert war, rückabgewickelt werden konnte und sollte. Es sollte altes Unrecht nicht mit neuem Unrecht beantwortet werden. Konflikte waren hier unausweichlich. So wurde politisch entschieden, welche Gruppen auf Rückübertragung hoffen durften, welche entschädigt wurden und welche ganz leer ausgingen. Aber selbst dort, wo die Stellung der Alteigentümer rechtlich gesichert war, so bei den Genossenschaftlern der LPGs, war die Durchsetzung noch lange nicht selbstverständlich.

In diesem Themenkreis wollen wir beleuchten, nach welchen Maßstäben damals zu welchen Entscheidungen gelangt wurde. Wir wollen diskutieren, ob das gerecht war, und untersuchen, wie diese Umwälzungen bis heute die Gesellschaft in Ostdeutschland prägen.

Wir werden hier die Referenten bekanntgeben, sobald sie feststehen.